Call for Paper / Vorschau

2018/1 Digitalisierung und wissenschaftliche Weiterbildung

Die zunehmende Digitalisierung unserer Lebenswelt prägt maßgeblich gesellschaftliche Diskurse und durchdringt sämtliche Lebensbereiche. Ob in der Arbeitswelt, beim Einkaufen, in der Mobilität oder bei der Freizeitgestaltung – überall tritt uns die digitalisierte Welt entgegen. Damit stellt sich in pädagogischer Hinsicht die Frage, wie „digitales Lernen“ heute und morgen in der wissenschaftlichen Weiterbildung aussehen kann. Wie die Digitalisierung in diesem Feld bisher aufgegriffen wird und welche neuen Möglichkeiten und Herausforderungen damit einhergehen, bildet den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe.

Die Ausrufung des „Digital Turns

Wieder einmal wird ein grundlegender Wandel ausgerufen: „The Digital Turn“. So lautet der programmatische Titel des Abschlussberichts des Hochschulforum Digitalisierung (2016). Online Dieses sich als Think Tank verstehende Projekt des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat folgende Bereiche identifiziert und analysiert

  • „Neue Geschäftsmodelle, Technologien & Lebenslanges Lernen
  • Internationalisierung & Marketingstrategien
  • Change Management & Organisationsentwicklung
  • Innovationen in Lern-& Prüfungsszenarien
  • Curriculum Design & Qualitätsentwicklung
  • Governance & Policies“

Aber dies sind nicht die einzigen Akteure, die sich Fragen der Hochschulen „im digitalen Zeitalter“ widmen. Beispielsweise hat die Bertelsmann Stiftung soeben den Monitor Digitale Bildung (2017) vorgelegt, und kommt damit u.a. zum Schluss, dass es bei Strategiefragen die zwei Lager der konsequent digitalen Verfechter_innen und der konsequent analogen Skeptiker_innen gibt und dass didaktische Potentiale trotz guter Infrastruktur oft ungenutzt bleiben.

Zweifellos handelt es sich bei der Digitalisierung um einen gesellschaftlichen Megatrend, der durchaus folgenreich für alle gesellschaftlichen Bereiche ist. Aber wie die Vielfalt neuer Begriffe (bspw. Industrie 4.0) und die vielen politischen Stellungnahmen deutlich machen: die Unterscheidung zwischen Megatrend und Hype ist ein schwieriges Geschäft.

Zwischen technischen Machbarkeitsillusionen, Realisierungen und empirischer Auseinandersetzung

Auch Ausgaben der Zeitschriften zur Weiterbildung greifen diesen Trend in unterschiedlichen Facetten auf, wie aktuelle Beispiele zeigen: „Digitale Kompetenz – Chancen und Risiken der virtuellen Welt“ (Weiterbildung 01/2017); „Wie digitale Technologien die Erwachsenenbildung verändern. Zwischen Herausforderung und Realisierung“ (Magazin Erwachsenenbildung 2017) oder „Digital the new normal - multiple challenges for the education and learning of adults“ (RELA European Journal for Research on the Education and Learning of Adults 2017, 2). Wie die Formulierungen zeigen, handelt es sich weitgehend noch um eine „Potenzialdebatte“ so wie wir sie auch von den neuen Medien kennen.

Wissenschaftliche Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung

Wie die Digitalisierung als Motor für die Hochschulweiterbildung wirken kann, das ist auch eine der leitenden Fragen der nächsten Jahrestagung vom 9.2017 der DGWF in Magdeburg: „Zukunftsperspektiven der Hochschulweiterbildung: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und gesellschaftlicher Auftrag“. In dem Call for Papers dazu werden beispielhaft aufgeführt

  • digitale Innovationen bei der Entwicklung, Vermarktung, Teilnehmerverwaltung, Durchführung, Prüfung und Nachbereitung der Hochschulweiterbildung,
  • Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für eine sinnvolle Datenvernetzung,
  • Einsatzszenarien für E-Assessment in der Hochschulweiterbildung,
  • Erhöhung der Flexibilität für individuelle Lernprozesse durch Digitalisierung,
  • Chancen digitaler Medien und Werkzeuge für die Weiterbildung,
  • Herausforderungen des digitalen Wandels für die Weiterbildungsakteure,
  • neue Anforderungen an die Gestaltung von Prozessabläufen für die Hochschulweiterbildung,
  • Herausforderungen an moderne Infrastruktur und Management.

Die AG-E Tagung vom 18.–19. Mai 2017 in Hannover widmet sich ebenfalls dem Thema „Wissenschaftliche Weiterbildung in der digitalen Welt – Annäherung an die Arbeitswelt 4.0“. Mit dem Ziel, „einen konstruktiven Umgang mit der Vielfalt der sich bietenden Möglichkeiten zu finden und Lösungsansätze für die Anbieter wissenschaftlicher Weiterbildung aufzuzeigen“, werden u.a. folgenden Fragen in den Mittelpunkt gestellt:

  • „Welche Strategien, welche Visionen, welche Profilschärfung, welche Geschäftsmodelle (…) ergeben sich hieraus“
  • Wie verändert Digitalisierung die Inhalte der wissenschaftlichen Weiterbildung?
  • Welche Möglichkeiten eröffnet die Digitalisierung für die Formate der wissenschaftlichen Weiterbildung?“

Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Fernstudium vom 29. bis 30. Juni 2017 in Berlin will u.a. Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung des Bildungsformats "Fernstudium" erarbeiten und die Formulierung im Call for Paper lässt „digitalisierte wissenschaftliche Weiterbildungsformate“ als neuen Oberbegriff in diesem Bereich erkennen:

  • Zielgruppen: Was sind die neuen Anforderungen unterschiedlicher Zielgruppen an das Fernstudium und an digitalisierte wissenschaftliche Weiterbildungsangebote?
  • Lehren und Lernen: Wie unterscheidet sich das Lehren und Lernen im Fernstudium und in digitalisierten wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten? Welche spezifischen didaktischen Kompetenzen sind jeweils erforderlich? Lassen sich den jeweiligen Formaten spezifische Lerntypen zuordnen?
  • Leistungsangebote: Welche konkreten Angebote und Dienstleistungen bieten Fernstudium einerseits und digitalisierte wissenschaftliche Weiterbildung andererseits? Was zeichnet das neue "Produkt" aus? Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus bei Prozessen, Strukturen, Qualitätsstandards?
  • Geschäftsmodell: Mit welchen Geschäftsmodellen können staatliche und private Hochschulen künftig Fernstudiengänge und digitalisierte wissenschaftliche Weiterbildung anbieten? Welche rechtlichen und organisationalen Rahmenbedingungen sind zu beachten?“

Die aufgeführten inhaltlichen Auseinandersetzungen der DGWF zeigen, dass die Digitalisierung die wissenschaftliche Weiterbildung über verschiedene Organisationseinheiten und Themenkorridore hinweg beschäftigt: Nicht nur mikro- und makrodidaktische Fragen sind davon berührt, sondern auch Organisations- und Management-Prozesse, Zielgruppenansprache, Support-Strukturen sowie neue Anforderungen an das Lehrpersonal. Das geplante Heft bietet Raum, um die Vielschichtigkeit der digitalen Transformation für die wissenschaftliche Weiterbildung zu beleuchten.


 Wissenschaftliche Beiträge erwünscht

Vor dem oben skizzierten Hintergrund sind für die Ausgabe 1/2018 der ZHWB wissenschaftliche Beiträge erwünscht, die sich theoretisch, empirisch und konzeptionell mit Fragen des Verhältnisses zwischen Digitalisierung und Hochschulweiterbildung beschäftigen. Wir laden Sie ein, Beiträge einzureichen, die sich einem der vorherigen Themenfelder zuordnen lassen, wobei der explizite Bezug zum Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung für die Annahme des Beitrages bedeutsam ist.

 Hinweise zur Manuskripteinreichung


  • Manuskriptabgabe:  15.10.2017
  • Umfang:                 max. 30.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) 
  • Begutachtung:        Die Beiträge durchlaufen ein Peer-Review Verfahren.
  • Forum:                   Die Rubrik „Forum“ ist offen für aktuelle Beiträge, die nicht an das Heftthema anschließen

Vorschau auf die kommenden Hefte


2018/2 Internationalisierung im Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung (Redaktionsschluss Themenbeiträge 15.04.2018)

2019/1 Formate der Hochschulweiterbildung (Redaktionsschluss Themenbeiträge 15.10.2018)

2019/2 Steuerung in der wissenschaftlichen Weiterbildung (Redaktionsschluss Themenbeiträge 15.04.2019)